Gottesdienst am 1.1.2005 in Rengershausen um 17.00 Uhr und in Guntershausen um 18.00 Uhr
Orgelvorspiel
Begrüßung und Bekanntmachungen (KV)
Lied: EG 156 Komm, Heiliger Geist
Lied: EG 62,1-4 Jesus soll die Losung sein
Votum, evtl. Thema des Godis
Psalm 121 nach Spangenberg
Tagesgebet
Schriftlesung Jos 1,1-9 (KV)
Glaubensbekenntnis (KV)
Lied: EG 65,1-2.6 (Gitarre)
Predigt zur Jahreslosung Jos 1,5b
Lied: Ein neues Jahr beginnt (Liedblatt, Gitarre)
Fürbitten / Vaterunser
Lied: EG 395,1-3 Vertraut den neuen Wegen
Segen
Orgelnachspiel
Predigt zu Jos 1,5b
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Liebe Gemeinde!
Am Anfang des neuen Jahres sind wir heute zusammengekommen, weil es uns augenscheinlich wichtig ist, diesen Moment des Übergangs in das neue Jahr nicht ohne den Beistand und die Begleitung Gottes zu sein. Das alte Jahr liegt schon hinter uns und das neue wie die Seiten eines leeren Buches vor uns und wartet darauf, von uns beschritten und beschrieben zu werden.
Fragen kommen auf, manchmal einfach aus Neugier, manchmal richtig bedrängend, weil etwas großes oder schweres im neuen Jahr bevorsteht: Wie wird es werden, das Jahr? Wird mir gelingen, was ich mir vorgenommen habe? Werden ich und meine mir lieben Menschen die Herausforderungen, die das Jahr bringt schaffen können? Werde ich auch im neuen Jahr die guten Mächte Gottes spüren auf sie vertrauen können?
Unbekanntes, Neues und Ungewisses erzeugt neben der gespannten Neugier immer auch ein mulmiges Gefühl, das sich in solchem Fragen ausdrückt, erfordert der Aufbruch ins Neue doch immer auch ein Loslassen des Bekannten, alten. Wir können den Weg, der vor uns liegt nur dann von ganzem Herzen gehen, wenn wir uns von dem, was hinter uns liegt abwenden und nach vorne blicken, den Weg in Augenschein nehmen und das heißt Altes zurücklassen. Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes, hat Jesus einmal gesagt. Naja, mögen Sie, liebe Gemeinde jetzt vielleicht sagen, ganz so dramatisch ist der Übergang in ein neues Jahr nun auch wieder nicht und damit haben sie sicher recht, allerdings gibt es doch im Leben immer wieder Übergänge in neue Phasen, die uns wirklich vor ein neues Land stellen, vor Herausforderungen, die wir noch nicht kennen: Der Übergang vom Schul- ins Arbeitsleben oder auch vom Arbeitsleben ins Rentenleben oder die Arbeitslosigkeit, Hochzeit und der Anfang des Lebens als Familie, Kinder, eine schwere Krankheit oder der Verlust eines lieben Menschen sind nur einige Beispiele. Selten fallen diese Beispiele zusammen mit dem Beginn eines neuen Jahres und doch werden uns (mir jedenfalls) oft Veränderungen beim Übergang von einem Jahr ins andere erst richtig bewusst.
In all das Fragen, wie es uns also ergehen wird, auch in unsere Ängste und Bedenken, leuchtet die Jahreslosung für das Jahr 2006 hell hinein: Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Jos 1,5b
Gesagt wurden diese Worte zunächst einmal Josua, der vor einer wahrlich großen Herausforderung stand: Er sollte das Erbe von Mose antreten und das Volk Israel nach 40 jähriger Wüstenwanderung nun endlich ins gelobte Land führen. Das versprochene Land musste eingenommen und anschließend aufgeteilt werden, Kriege und Schlachten mussten geführt werden und schließlich musste das Volk Israel geleitet und regiert werden. Wer würde vor einer solchen Aufgabe nicht verzagt und entsetzt dastehen? Gott weiß um die mächtigen Aufgaben die vor Josua stehen und vielleicht auch um die persönlichen Zweifel die ihn in diesem Moment ergreifen. Gott weiß auch um die Bedenken und Zweifel die es im Volk Israel gibt und so spricht er Josua und mit Josua auch seinem Volk Mut, Trost und Gelassenheit zu: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Es mag schlimm hergehen um dich herum und ich werde nicht alle Steine aus deinem Weg und dem Weg des Volkes Israel räumen. Dein Leben wird deswegen nicht leichter sein. Da werden Menschen sein, die dir übel mitspielen und dich fallenlassen werden und du wirst genauso unter Krankheiten zu leiden haben wie alle anderen auch. Gott verspricht nicht, all das, was einem das Leben schwermachen kann wegzunehmen. Aber er verspricht: Ich lasse dich nicht fallen und ich verlasse dich nicht, mögen andere das tun, mögen dich Menschen und alle guten Geister verlassen, ich bin mit dir in allem, was du tun wirst.
So das Versprechen Gottes an Josua und das Volk Israel, das aber - wir haben den Text in der Schriftlesung gehört - an eine Bedingung geknüpft ist: Tag und Nacht soll Josua das Gesetz Gottes betrachten bzw. er soll weder zur Rechten noch zur Linken von den Geboten, die Mose dem Volk gegeben hat abweichen. In allen Dingen soll er nach dem Gesetz handeln. Dann - so sagt wieder Gott - wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten.
Verordnete gute Vorsätze für den Aufbruch über den Jordan ins neue, gelobte Land auf der einen Seite und geballter Trost, zugesprochene Hoffnung und Ermutigung auf der anderen.
Was gilt also jetzt für uns und unsere Fragen, Zweifel, Ängste und unsere gespannte Neugier auf 2006, liebe Gemeinde?
Beides!
Auch wir tun gut daran, immer wieder zu den wohltuenden Worten Gottes in der Bibel zurückzukehren, sie unser Leben bestimmen zu lassen. Auch wir tun gut daran uns immer wieder darauf zu besinnen, dass wir mit Gott einen Begleiter für unser Leben haben, der uns zwar nicht alle Steine aus dem Weg räumt, aber der uns auch nicht verlässt. Auch wir tun gut daran uns immer wieder herausfordern und hinterfragen zu lassen von dem, was Gott für unser und von unserem Leben will. Denn wenn wir das tun, wenn wir wie Josua das Gesetz, die Bibel und die Worte Jesu zwar nicht Tag und Nacht aber doch wenigstens betrachten, das lesen wir auch solche tröstlichen Worte, wie sie die Jahreslosung uns zurufen: Gott spricht: Ich lass dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
Wie das konkret aussehen kann erzählt folgende kleine Geschichte: Sie ist überschrieben mit: Zwölf Uhr mittags:
Dem Pfarrer einer Stadt im Süddeutschen fiel ein alter, bescheiden wirkender Mann auf, der jeden Mittag die Kirche betrat und sie kurz darauf wieder verließ. Eines Tages fragte er den Alten, was er denn in der Kirche tue. Der antwortete: "Ich gehe hinein, um zu beten." Als der Pfarrer verwundert meinte, er verweile nie lange genug in der Kirche, um wirklich beten zu können, sagte der Besucher: "Ich kann kein langes Gebet sprechen, aber ich komme jeden Tag um zwölf und sage: Jesus, hier ist Johannes."
Eines Tages musste Johannes ins Krankenhaus. Ärzte und Schwestern stellten bald fest, dass er auf die anderen Patienten einen heilsamen Einfluss hatte. Die Nörgler nörgelten weniger, und die Traurigen konnten auch mal lachen. "Johannes", sagten sie, "du bist immer so gelassen und heiter." "Ach", winkte Johannes ab, "dafür kann ich nichts. Das kommt durch meinen Besucher." Doch niemand hatte bei ihm je Besuch gesehen. Er hatte keine Verwandten und auch keine engeren Freunde. "Dein Besucher", fragte eine Schwester, "wann kommt der denn?" "Jeden Mittag um zwölf. Er tritt ein, steht am Fußende meines Bettes und sagt: Johannes, hier ist Jesus."
Ich wünsche ihnen liebe Gemeinde für das neue Jahr 2006 nicht, dass Gott alles Schwere aus ihrem Leben entfernt, aber ich wünsche ihnen dass sie mit großer Gelassenheit die Kraft und die Hoffnung von Gott empfangen, die nötig sind um das je eigene Leben zu leben, denn Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
Amen
Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.