Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Liebe Gemeinde!
Jesus lehrt seine Jünger und uns das Beten. Er sagt, worauf es ankommt, welche Haltung wir einnehmen sollen und er gibt uns ein Gebet, Worte die wir betend nachsprechen können, nicht weil Gott dann dies oder das tut oder sich für uns öffnet wenn wir nur die richtigen Worte sagen, sondern das sind Worte die uns für Gott öffnen.
Wie man jemanden anspricht, der die Welt und uns und alles geschaffen hat zeigt Jesus ganz am Anfang: Nicht mit Excellenz oder Hochwürden oder so, sondern wir dürfen und sollen ihn unseren Vater im Himmel nennen. Das ist die richtige, vertraute Anrede und dann folgt die erste Bitte: Geheiligt werde dein Name. Um diese Bitte soll es heute gehen. Was beten wir eigentlich, wenn wir das von Gott erbitten: geheiligt werde dein Name? Was bedeutet es? Was wünschen wir uns da von Gott? Und noch viel wichtiger: Was hat das mit uns zu tun, wenn Gottes Name geheiligt wird.
Ich denke, das Wörtchen "geheiligt" oder "heiligen" verstehen wir irgendwie schon, aber wenn wir's erklären wollen wird's schwierig. Vielleicht wird es einfacher, wenn ich mal ein paar Beispiele nenne, wo das im Alltag von Menschen vorkommt. Ich meine jetzt dabei nicht den sonntäglichen und den täglichen Gottesdienst.
Was Menschen alles heilig ist
Da ist der Junge aus der dritten Klasse. Vor sich zwei Tütchen mit Panini-Bildchen drin - das sind die Bilder zur Fußball-WM auf denen alle Spieler und alle Mannschaften abgedruckt sind. Vorsicht wird ein Tütchen geöffnet und die Bilder sorgfältig in ein eigens dafür vorgesehenes Album geklebt. Die Doppelten werden gut aufgehoben damit später getauscht werden kann. Geheiligt werde dein Name?
Da ist die Konfirmandin. Gestern war sie beim Konzert von Tokio-Hotel. Sie schläft in Tokio-Hotel Bettwäsche und von der Zimmerwand sieht man nichts mehr weil alles voll von Tokio-Hotel Postern ist. Im Konzert stand sie in der Zehnten Reihe und jetzt schreibt sie fleißig eine SMS nach der anderen an ihre Freundinnen: Bill hat mich angelächelt… (mich fett und unterstrichen). Geheiligt werde dein Name?
Da ist der junge Mann, der sich von seinem ersten Jahresgehalt nach der Ausbildung sein Traumauto gekauft hat. Immer wenn er Zeit hat wird daran geschraubt, etwas an- oder abgebaut, gestaubsaugt innen, poliert außen und fachgesimpelt mit den Kumpels. Wenn er in seinem Auto sitzt und von der Beschleunigung in die Sitze gedrückt wird und laute Musik aus den Lautsprechern dröhnt fühlt er sich wohl und lebendig. Geheiligt werde dein Name?
Überlegen sie mal, was Ihnen im Leben so wichtig ist, dass sie auf keinen Fall darauf verzichten können... Ob es nun Paninisammelbildchen sind, eine Band, ein schneller Flitzer, das Wohnzimmer zu Hause, die gute Stube mit den Schonbezügen auf der Ledergarnitur, die Sportschau oder eine Serie im Fernsehen, der Garten, bei mir wäre wohl ein Beispiel mein Fotoapparat, der Sportverein, die Briefmarken, die Gesundheit, gutes Essen oder sonst etwas - Sie können selber beliebig viele eigene Beispiele dazutun - : Wir Menschen brauchen das. Und deshalb möchte ich auch all dies nicht verteufeln oder schlecht machen. Nein, das hat alles seinen Wert. Wir brauchen Orte an denen wir uns lebendig fühlen und ganz wir selber sind, wir brauchen Zeiten in denen wir neue Kraft tanken und abschalten können und sogar Gegenstände, die uns absolut wichtig sind. All dies gibt dem Leben einen Wert, der über uns selbst hinausgeht. Ich will all diese Beispiele also nicht als Negativbeispiele gebrauchen nach dem Motto: Das was die Menschen da machen ist völlig verkehrt, lasst das alles hinter Euch und jetzt kommt das Eigentliche. Das müssen sie selbst entscheiden…
Ich habe die Beispiele deshalb gebraucht, weil sie zeigen, wie behutsam wir mit manchen Dingen, Orten, Zeiten und Menschen umgehen können, wenn Sie uns absolut wichtig sind und uns am Herzen liegen. So sehr und noch mehr soll uns auch Gott ans Herz wachsen. Das bitten wir in der ersten Bitte des Vaterunsers. So nah soll uns Gott kommen und so behutsam soll mit dem Namen Gottes umgegangen werden.
Der Name Gottes
Wir haben gesehen, was Menschen so alles Heiligen. Wer oder was genau soll denn nun auf unsere Bitte hin im Vaterunser geheiligt werden? Der Name Gottes natürlich, werden sie sagen. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass der Name immer mehr ist als nur irgendeine Bezeichnung. Der Name ist das tiefste Wesen einer Person. Was also ist der Name Gottes in diesem Sinne, was ist das tiefste Wesen seiner Person?
Dazu eine Geschichte: Da ist ein Mann bei der Arbeit. Er hütet in der Steppe die Schafe seines Schwiegervaters. Eines Tages kommt er an einen Berg, man sagt der Berg Gottes. Da sieht er plötzlich etwas Seltsames: Ein Busch, ein Gestrüpp brennt und verbrennt doch nicht. Das will ich mir genauer ansehen, denkt er und geht zu diesem Busch. Da hört er auch schon eine Stimme: Mose, Mose! Ja, hier bin ich! Komm nicht näher und zieh deine Schuhe aus, denn du betrittst gerade heiliges Land. Mose tut was die Stimme sagt und als er noch darüber nachdenkt mit wem er es da zu tun hat, sagt die Stimme: Ich bin der Gott deiner Vorfahren. Ich sehe wie mein Volk leidet bei den Ägyptern, deshalb habe ich mir dich ausgesucht, dass du das Volk in die Freiheit führst. Mose zögert. Wer bin ich schon, dass ich eine so große Aufgabe bewältigen kann? Du brauchst keine Angst zu haben, sagt Gott. Ich bin bei dir! Mose zweifelt immer noch: Was soll ich den Israeliten sagen, wie der Name des Gottes ist der mich zu ihnen schickt? Mein Name ist: Ich bin der ich bin, ich werde sein, der ich sein werde, ich bin der: Ich bin für dich da.
Das also ist das erste mal, dass Gott seinen Namen, sein Wesen einem Menschen offenbart hat. Gott hat sein Versprechen wahr gemacht: Er ist mit den Israeliten durch die Wüste gezogen und hat sie in die Freiheit geführt. Und später dann hat Gott seinen Namen, sein Wesen noch einmal noch viel plastischer gezeigt. Er kommt selbst zu uns Menschen und zeigt, dass sein Wesen die Liebe ist. Das bedeutet der Name Gottes: Ich bin für dich da. Ich bin bei dir. Ich ziehe mit dir durch Oasen und die Wüsten deines Lebens.
Darum geht's, wenn wir bitten: geheiligt werde dein Name: Wir bitten Gott, dass sein Name, sein Wesen, seine Art überall auf der Welt bekannt wird. Dass diese heilsame Gegenwart Gottes, das Mitgehen Gottes allen Menschen Kraft, Trost und Hilfe für ihr Leben ist. Dass wir so vorsichtig mit seinem Namen umgehen, wie mit den Dingen, Menschen, Orten und Zeiten die uns heilig sind. Dass dieser Gott, dessen Name "Ich bin für dich da" ist in unserem Leben und im Leben aller Menschen wichtig wird.
Und wer soll nun dafür sorgen, dass das auch geschieht? Wer soll dafür sorgen, dass Gottes Name geheiligt wird, dass er uns und den Menschen die Kraft wird, aus der wir leben?
Da es ein Gebet ist also eine Bitte an Gott, ist es zu allererst Gott selbst, der das tut, ja auch nur tun kann. Wenn es darum geht, Dinge, Orte, Menschen oder Zeiten in unserem Leben wichtig zu nehmen, sie zu ehren oder groß zu machen, dann sind wir gefragt. Wenn es darum geht Gott groß und wichtig und heilig zu machen, dann ist nur er selbst gefragt, denn er ist ja schon groß. Gott müssen wir nicht erst groß machen. Martin Luther sagt dazu in seinem kleinen Katechismus: Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns heilig werde. Wie geschieht das? Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben. Dazu hilf uns, lieber Vater im Himmel!
Wir beten also: Du, Gott sollst bekannt werden unter uns, du Gott sollst anerkannt werden unter uns. Wir bitten darum, dass Gott sich uns zeigt.
Und dann? Wenn Gottes Name auf diese Weise heilig, wichtig und besonders wird für unser Leben, dann heiligen wir Gottes Namen auch in dem wie wir uns verhalten und in dem, wie wir leben. Erst muss die Gemeinschaft mit Gott stimmen, dann kommt alles andere von selbst. Wenn wir innerlich neue Menschen werden wollen, dann brauchen wir die Verbindung zum Urquell unseres Lebens und wenn die da ist, wenn ich weiß und spüre: Gott ist Begleiter und Führer meines Lebens, kommt alles andere auch. Das ist wie mit einem Stein der in der Sonne liegt: Dem brauche ich nicht mehr zu sagen: Du sollst warm sein - er ist es. Dann weitet sich der Blick auf all das, was im Vaterunser noch folgt. Dann sind wir bereit und offen für Gottes Reich und seinen Willen, dann erwarten wir von Gott das tägliche Brot und alles was wir zum Leben brauchen, dann fangen wir an zu vergeben und die Hand Gottes zu ergreifen, die uns durch die Untiefen und Verführungen unseres Lebens führt und haben die feste Hoffnung, dass Gott das Böse ein für alle mal beenden wird.
Und dann, dann reden wir von dem, der uns Kraft und Mut, Hoffnung und Sinn gibt. Dann gebrauchen wir den Namen Gottes nicht belanglos, sondern so, dass es einen Menschen tröstet, ihn stiller macht, ihm Geduld gibt, Lebenskraft und Zuversicht. Dann geschieht es einfach, dass wir mittun am Werk Gottes, dass sein Name, Gott selbst auch anderen Menschen wichtig und heilig wird und ans Herz wächst, dass auch andere Menschen ihn kennenlernen, als den, der mitgeht durch die Oasen und die Wüsten unseres Lebens und der uns letztlich in die Freiheit führt. Amen.
Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.