Gottesdienst am 26.2.2006 in Rengershausen um 9.30 Uhr und in Guntershausen um 10.45 Uhr


1. Orgelvorspiel
2. Begrüßung und Bekanntmachungen (KV)
3. Lied: EG 156 Komm, Heiliger Geist
4. Lied: EG 169,1-5 Der Gottesdienst soll fröhlich sein (Git)
5. Votum, evtl. Thema des Godis
6. Psalm 31
7. Bittruf, Lobpreis und Tagesgebet
8. Schriftlesung 1. Kor 13,1-13 (KV)
9. Glaubensbekenntnis (KV)
10. Lied: EG 295,1-4 Wohl denen, die da wandeln
11. Predigt
12. Lied: EG 346,1-3 Such wer da will ein ander Ziel
13. Abkündigungen
14. Fürbitten / Vaterunser
15. Lied: EG 638,1-3 Ich lob meinen Gott (Git.)
16. Segen
17. Orgelnachspiel

Predigt zu Amos 5,21-24


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

1. Einleitung
Liebe Gemeinde!
Am liebsten würde ich heute die Predigt mit einer kleinen Umfrage starten und ihnen die Frage stellen: Warum sind sie heute in den Gottesdienst gekommen? Denn darum geht's heute: Um den Gottesdienst. Warum gehen Menschen in den Gottesdienst, was erwarten sie da, wie gehen sie wieder nach Hause in die neue Woche? Ich würde vielleicht unterschiedliche Antworten von ihnen bekommen:
Der eine sagt: Das gehört für mich am Sonntag einfach dazu. Ich bin jeden Sonntag hier. Ein anderer vielleicht: Ich möchte mal wieder auftanken und brauche neue Kraft. Wieder eine andere sagt vielleicht: Ich brauche dringend noch vier Unterschriften auf meiner Gottesdienstliste, die ich im Konfirmandenunterricht bekommen habe. Freiwillig würde ich hier nicht hingehen. Oder jemand sagt: Ich möchte am Sonntagmorgen zur Ruhe kommen und mir den Segen für die kommende Woche abholen und außerdem: Hier treffe ich Leute, die ich sonst in der Woche nicht sehe.
Viele, viele Antworten und vielleicht war ihre ganz persönliche noch gar nicht dabei. Vielleicht wäre es noch interessanter mal in einem Heilig Abendgottesdienst diese Frage zu stellen: Warum sind sie in diesen Gottesdienst gekommen? Was bedeutet ihnen der Gottesdienst?
Und wie ist das überhaupt: Gottes Dienst. Heißt das: Wir dienen Gott, wenn wir in den Gottesdienst kommen? Oder heißt das: Gott dient uns, wenn wir uns am Sonntag in der Kirche versammeln?
Zum Gottesdienst seiner Zeit, im Israel des 8. Jahrhunderts vor Christus macht sich auch der Schafhirt, Feigenzüchter und Prophet Amos seine Gedanken. Oder eigentlich müsste ich sagen: Er teilt die Gedanken Gottes seiner nicht gerade erfreuten Hörerschaft mit.

2. Predigttext:
Amos 5,21-24 Gott spricht durch den Propheten:
Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

3. Gottesdienstkritik damals und heute
Was ist da passiert, liebe Gemeinde? Gott scheint hier in diesem Text wirklich außer sich zu sein vor Wut und Empörung. Aber das ist vielleicht auch kein Wunder. Denn die Gottesdienste sind im Nordreich, im Israel zur Zeit des Amos zu einer reinen Schauveranstaltung geworden in denen sich die Priester und die Reichen gegenseitig im Namen Gottes auf die Schulter geklopft haben. Je größer und toller der Gottesdienst, die Musik und die Feierlichkeit, je weniger brauchte man im alltäglichen Leben auf die ethischen und moralischen Feinheiten zu achten, so war die Devise. Wir opfern Gott Brandopfer und Speiseopfer und dann brauchen wir's bei unseren Geschäften und beim Rechtsprechen nicht mehr so ernst nehmen. Das Recht wird gebeugt zu Gunsten der Reichen und führenden Schichten und Gerechtigkeit ist zu einem Wahlkampfslogan verkommen. Die Menschen tun nicht was sie reden. Ihr vermeintlich so tolles Gottesverhältnis, dass sie angeblich in ihren Gottesdiensten feiern, ist vorgetäuscht und hat keinen Nachhall im normalen Leben. Gott wird ruhig gestellt, so dachten und verhielten sich jedenfalls die damaligen Gottesdienstbesucher.
Aber da hatten sie sich geschnitten. Amos weist diese Leute im Namen Gottes vehement darauf hin, dass das was sie da tun nichts aber auch gar nichts mit Gott zu tun hat. Gott kann man nicht ruhig stellen. Amos tritt dafür ein, dass das was im Gottesdienst gesagt wird über Gottes Gerechtigkeit und seine Liebe auch im Alltag gelebt werden muss. Oder anders herum: Dass im Gottesdienst Motivation, Impulse und Kraft für ein gottesdienstliches Leben auch außerhalb des Gottesdienstes geschöpft werden sollen. Der Gottesdienst darf nicht zur Augenwischerei dafür werden, dass die Menschen im Alltag alle Augen zudrücken und Gottes Recht und seine Gerechtigkeit mit Füßen treten.
Und heute, liebe Gemeinde, hat Amos heute auch noch recht mit dem, was er an den Gottesdiensten damals kritisiert? Wenn man sich diejenigen anhört, die nicht in den Gottesdienst kommen, dann könnte man fast denken, die hätten Amos gelesen und würden ihn zitieren. Von solchen Menschen höre ich oft, bei Geburtstagsbesuchen oder bei Festen zum Beispiel: In die Kirche gehe ich nicht, weil da ja doch nur geguckt wird was wer anhat und dann wird darüber gelästert. Oder: Am Sonntag rennen die in die Kirche und dann hauen sie sich wieder eine ganze Woche lang gegenseitig übers Ohr. Oder: Die, die da zur Kirche gehen, das sind doch auch keine besseren Menschen. Im Gegenteil, höre ich da hinter und zwischen den Zeilen: Eigentlich bin ich ein viel besserer Christ als die Kirchgänger, weil ich moralisch viel hoch stehender bin. Ich bemühe mich immer freundlich und höflich zu sein, besuche meinen kranken Nachbarn und gut, ich leiste mir ab und zu mal eine kleine Notlüge oder sonst einen kleinen Ausrutscher, aber ich geb's wenigstens zu und das tun die in der Kirche nicht.
Es ist schon komisch, was die Leute, die nie in die Kirche kommen doch alles über uns Gottesdienstbesucher wissen und ich finde es auch seltsam, dass diese Menschen sich irgendwie meinen rechtfertigen zu müssen, dass sie nicht kommen. Vielleicht weil sie ahnen, dass da im Gottesdienst doch etwas heilsames oder heilvolles geschieht, was eigentlich gut für ihr Leben wäre? Und dann frage ich mich wieder: Wem tun wir eigentlichen einen Gefallen, wenn wir Gottesdienst feiern? Gott? Dem Pfarrer oder der Pfarrerin? oder vielleicht den Leuten, die sehen, dass wir in die Kirche gehen?
Nein, all das mit Sicherheit nicht: Zum einen: Niemand der freiwillig zur Kirche geht behauptet von sich, besser als andere zu sein (das behaupten nur die anderen), ganz im Gegenteil: Hier versammeln sich Menschen, die erkannt haben, dass sie aus eigener Kraft weder ihr Leben bekamen noch ihr Leben erhalten und leben können, also Menschen die wissen, dass sie angewiesen sind auf die Liebe, Gnade und Kraft Gottes, die sagen: Ich kann es nicht ohne den Beistand Gottes und brauche seine Ermutigung und Stärkung für den Alltag. Stimmt doch, oder liebe Gemeinde? Und einen Gefallen tun wir uns allein selbst, weil wir im Gottesdienst von Gott gestärkt werden.

4. Gottesdienst, wie er sein soll
Und genau das ist für mich der ganz tiefe Sinn von Gottesdienst: Gottesdienst muss Spaß machen. Er muss Menschen gelassener, liebevoller und fröhlicher machen. Gottesdienst muss Lust zum Glauben machen. Gottesdienst ist Gottes Dienst an uns Menschen am Sonntag, damit wir in der Woche 6 Tage lang unseren Dienst an Gott tun können. Im Gottdienst dürfen wir uns ganz einfach beschenken lassen von seiner Kraft und auch manchmal hinterfragen lassen durch seine lebenswichtigen Gebote und Anweisungen. Gott will nicht, dass wir aus Pflichtbewusstsein zum Gottesdienst gehen und hinterher nach Hause, als wäre nichts gewesen. Im Predigttext heißt es: Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen. Gott will nicht, dass wir ihm unsere kostbare am Sonntagmorgen opfern, ihm fromme Lieder singen und dann nach Hause gehen und unser Leben leben, als hätten wir nie was mit ihm zu tun gehabt. Gott Recht und seine Gerechtigkeit soll Raum bei uns bekommen, so wie Wasser sich seinen Raum nimmt. Nichts kann das Wasser aufhalten und wenn es die Wüste überspült dann wächst da was. So ist das, wenn wir Gottes Liebe und seiner Gerechtigkeit Raum einräumen. Und wenn wir tausend mal in den Gottesdienst gingen und hätten die Liebe Gottes nicht, so wär's nichts nütze. Und deshalb fange ich an zu träumen, liebe Gemeinde.
Ich träume von Gottesdiensten in denen Menschen Gott begegnen, sich berühren lassen von seiner großen Kraft und Gott dafür loben. Ich träume von Gottesdiensten in denen die Menschen fröhlich und gelöst einander begegnen und sich im Namen Gottes stärken für ihren Weg durch die nächste Woche. Ich träume von Gottesdiensten in denen Jung und Alt voneinander lernen und gemeinsam das Leben, die Liebe also Gott feiern, aber auch gemeinsam bedenken, beklagen und betrauern, was das Leben schwer macht und sich in Klage und Bitte an Gott wenden, um von ihm Hilfe und Kraft zu erfahren. Ich träume von Gottesdiensten in denen die Vielgestaltigkeit des Glaubens und des Lebens, zu einer großen Sinfonie der Liebe Gottes wird, die einladend auf andere wirkt und gerade in ihrer Vielstimmigkeit ihren besonderen Reiz hat. Ich träume von Gottesdiensten, die Mittelpunkte eines lebendigen Gemeindelebens sind und wir spüren: Gott ist mitten unter uns und sein Recht und seine Gerechtigkeit, seine große Liebe strömen wie Wasser und ein nie versiegender Bach. Ich träume von einem Gottesdienst, der Spaß macht und Menschen gelassener, liebevoller und fröhlicher werden lässt und ihnen Lust zum Glauben macht.

5. Konkrete Schritte und Ansätze
Damit solche Träume, Hoffnungen und Visionen Wirklichkeit werden, haben wir für unsere Gemeinde einige konkrete Schritte in der Zukunft vor. Ende Januar waren die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher auf einem Klausurwochenende, um einen Leitsatz für unsere Gemeinde zu erarbeiten und durch konkrete Schritte auf dem Weg dorthin diesen Leitsatz mit Leben zu erfüllen: Der Leitsatz lautet:
Wir sind Evangelische Kirche in Rengershausen und Guntershausen, ein Ort lebendiger Begegnung mit Gott und den Menschen. Wir wollen, dass Menschen bei uns ermutigt werden und Hoffnung und Perspektive finden.
Zwei der konkreten Schritte, die wir uns für dieses Jahr noch vorgenommen haben betreffen unsere Gottesdienste. Ein Ziel ist es, dass für die allerkleinsten Zwerge in unserer Gemeinde ein Krabbelgottesdienst angeboten wird für 2-5 Jährige und natürlich ihre Eltern, Großeltern, Paten und wer sonst noch Lust hat mit den Kindern zu feiern. Es hat sich schon ein Vorbereitungskreis gegründet und am 26. März gibt es den ersten Zwergengottesdienst.
Ein zweites Ziel, das wir in diesem Jahr noch umsetzen wollen sind Abendgottesdienste in einer neuen Form, zusätzlich zu den morgendlichen Gottesdiensten. Auch hierzu hat sich schon eine Gruppe aus unserer Gemeinde auf einer Fortbildung informiert, wie solche Gottesdienste in anderer Form aussehen könnten. Wir wollen die Musik von einer Band begleiten lassen und mit kreativen Elementen Gott loben und Impulse weitergeben und so Orte der lebendigen Begegnung mit Gott und den Menschen schaffen, so dass Menschen ermutigt werden für ihr Leben und Lust bekommen zum Glauben.
Dazu, dass unsere Gottesdienste Spaß machen und Menschen in ihnen gelassener, liebevoller und fröhlicher werden und sie Lust zum Glauben bekommen möge uns Gott helfen und dabei mit seinem Geist begleiten. Amen.
Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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