Gottesdienst am 16.10.2005 in
Rengershausen um 10.45 Uhr und in Guntershausen um 9.00
Uhr
1.
Orgelvorspiel
2. Begrüßung (KV)
3. EG 156 Komm heiliger Geist
4.
Lied: EG 445,1-5 Gott des Himmels und der
Erden
5. Votum
6. EG 720 (bitte anschlagen!) Psalm 37
7. Bittruf, Lobpreis und Tagesgebet
8. Schriftlesung Mt 5,38-48
9. Glaubensbekenntnis
10.Lied: EG 351,1-3.6 Ist Gott
für mich, so trete
11.Predigt
12.Lied: EG 346,1-3 Such wer da
will ein ander Ziel
13.Abkündigungen
14.Fürbitten / Vaterunser
15.Lied: EG 590,1-3 Herr, wir
bitten, komm und segne (Gitarre Porrmann)
16.Segen
17.Orgelnachspiel
Predigt zu Mt 10,34-39
Die Gnade
unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des
Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Liebe Gemeinde!
Mit dem Titel „Ganz oder gar nicht“ ist diese Predigt
überschrieben und so ein bisschen ist dieses ganz oder gar nicht schon im
Evangelium angeklungen. Jesus verlangt viel, wenn er sagt: Ihr sollt vollkommen
sein wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Oder die Feinde zu lieben oder
auch die rechte Backe hinzuhalten. Schon da wird deutlich, dass Christsein nicht
immer ein Spaziergang ist mit eitel Sonnenschein und Harmonie. Eben „Ganz oder
gar nicht!“ Noch viel klarer und deutlicher und vielleicht auch beunruhigender
ist der heutige Predigttext, in dem Jesus klare Worte darüber spricht, wie
wichtig es ihm ist, dass Christen ihr Leben an seinen Maßstäben ausrichten
sollen. Ich lese uns Mt 10,34-39: Jesus sagt dort: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen
bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu
bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien
mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit
ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen
sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und
wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer
nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert.
Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um
meinetwillen, der wird's finden.
Liebe Gemeinde, keine Rede von „Frieden auf Erden“, wie wir es in der Liturgie gerade gesungen haben. Vom Schwert ist da die Rede und davon dass Jesus gekommen ist, Eltern und Kinder zu entzweien. Das herzliebe Jesulein aus der Weihnachtskrippe ist erwachsen geworden und stellt große Ansprüche auf das ganze Leben seiner Nachfolgerinnen und Nachfolger. Eine beunruhigende und verstörende Botschaft, vor allem für die, die bisher dachten, Christsein bringt Ruhe und Harmonie ins Leben. Christsein ist kein „Alles wird gut Glaube“, der einen zartrosa Zuckerguss über die Welt und das Leben gießt mit Friede Freude Eierkuchen. Christsein bedeutet entschieden für den Glauben und die Werte die Jesus uns vorgelebt hat einzutreten.
Diese Forderung ist scharf wie ein Schwert, regt auf und zum Widerspruch an. Wie können wir mit dieser Radikalität umgehen und wie passt das zusammen mit dem Gebot auch seine Feinde zu lieben? Wie passen diese Worte Jesu zum vierten Gebot, dass wir unsere Eltern ehren sollen? Setzt Jesus hier all das außer Kraft? Dazu drei Punkte:
1. Glaube und
Christsein hat Konsequenzen.
Nichts anderes sagt Jesus zu seinen Jüngern. Wenn man die Stelle vorher und nachher liest, sieht man, dass Jesus seinen Jüngern Mut machen will zu allen Menschen zu gehen und seine Botschaft vom Reich Gottes weiterzusagen. Da wird es einige Menschen geben, die begeistert sein werden von dieser Botschaft und sofort Feuer fangen. Einige werden kritische Rückfragen stellen und einige werden sich mit Händen und Füßen gegen diesen Glauben wehren. Gerade damals zur Zeit Jesu und auch kurz danach, als das Matthäusevangelium entstanden ist, war es nicht ungefährlich, sich zu diesem Glauben zu bekennen. Und dann konnte es ganz schön unfriedlich zugehen. Darauf sollen sich die Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu gefasst machen. Wenn es um die Wahrheit des Lebens geht, wenn es darum geht, worauf Menschen ihr Leben aufbauen und welche Ziele sie verfolgen kann es zu lebhaften und unfriedlichen Diskussionen kommen. Das gilt auch noch heute.
Ich möchte nicht wissen, was die Mitkonfirmanden sagen, wenn einer von euch Konfis öffentlich sagt: Ich lasse mich nicht wegen des Geldes konfirmieren, sondern weil ich gemerkt habe wie gut Gott meinem Leben tut. Oder wenn jemand im Dorf zu einem anderen dem es schlecht geht sagt: Ich bete für dich! dann wird man vielleicht ein mitleidiges Lächeln zurückbekommen und ein „Naja, mach mal, schaden kann es ja nicht.“ Es ist nicht immer leicht zu seinem Glauben zu stehen, besonders dann nicht, wenn andere ihn lächerlich machen. Aber genau darum geht es Jesus. Glaube soll nach außen sichtbar werden, auch dann wenn es schwierig ist.
Christsein gibt es nicht nach dem Motto: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Christsein heißt von dem Halt erzählen, der wirklich hält im Leben und im Sterben, wenn andere sagen: Ich nehme mir von jedem Glauben das Beste und bastle mir meine eigene Religion. Oder irgendwie glaube ich schon an Gott aber dazu brauche ich keine Bibel oder keinen Gottesdienst. Jesus will uns ermutigen zu unserem Glauben zu stehen und unser Leben danach auszurichten, auch wenn andere mit Unverständnis oder sogar Hass reagieren. Und das führt uns zu meinem zweiten Punkt:
2. Eigene Werte und
Ziele stehen auf dem Prüfstand.
Das Kommen Jesu und seine Gottesreichbotschaft stehen quer zu allen familiären und gesellschaftlichen Bindungen. Wenn Jesus davon spricht, dass er Entzweiung auch in die Familien zwischen Eltern und Kinder bringt, dann heißt das, dass die Ausrichtung an der Botschaft Jesu noch wichtiger ist als das, was die Eltern uns an Werten und Zielen mitgegeben haben oder anders herum, dann kann es sein, dass die Kinder andere Wege einschlagen, als Eltern sich das vorstellen. Wir könnten es aber auch noch allgemeiner deuten: Eltern könnten hier für unsere Vergangenheit stehen, oder allgemein für Werte und Ansichten, die wir im Leben mitbekommen haben, die am Maßstab der Liebe Jesu überprüft werden müssen. Kinder könnten für unsere Zukunft und Pläne stehen, für Wünsche, Träume und Sehnsüchte unseres Leben, die ebenfalls am Maßstab Jesu zu überprüfen sind.
Das heißt nicht, alles was die Eltern sagen, welche Werte sie uns mit auf den Weg gegeben haben sind per se schlecht, aber sie entsprechen auch nicht unbedingt den Ansprüchen, die Gott an unser Leben stellt. Und andersherum: Nur wenn die Werte und Ansichten der Eltern nicht der Botschaft Gottes entsprechen, ist das vierte Gebot außer Kraft zu setzen, bzw. kommt es darauf an, auch innerhalb der Familie zu seinem Glauben zu stehen.
Das zeigt: Der Glaube kann bisweilen eine gewisse Unruhe in unser Leben bringen, die uns dazu führt unser Leben zu überprüfen: Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Von wem oder was lasse ich mich in meinem Leben und meinen Entscheidungen beeinflussen? Jesus will nicht, dass wir, wenn es um unser Leben und den Mittelpunkt unseres Lebens falsche Kompromisse um des lieben Friedens willen manchen, sondern dass wir im Licht der Liebe Gottes wahres Leben finden, dass uns erfüllt und mit seiner Kraft beschenkt. Denn:
3. Wahres, echtes, unverlierbares Leben
findet, wer sein Leben an Jesus Christus ausrichtet.
Zur Mitte, zum Zentrum seines Leben findet, wer bereit sein altes Leben hinter sich zu lassen und sein Leben ausrichtet an dem was Gott, was Jesus sagt. Die Bibel nennt das Umkehr.
Umkehr geschieht nicht bloß an einem einzigen Tag in meinem Leben den ich am besten noch genau datieren kann, sondern jeden Tag neu. Täglich muss ich mich ohne Rücksicht auf die Ansichten oder Lästereien meines Umfeldes neu ausrichten auf Gottes Wort. Das ist Leben, wahres Leben, das von Gott bestimmt seinen wahren Inhalt findet. Dieser Wert und dieser Sinn muss nicht immer meinen eigenen Zielen widersprechen, sondern wenn es gut läuft geht beides zusammen. In Ausrichtung auf Gott finde ich die Mitte meines Lebens.
Dabei können wir sicher sein, dass Jesus nichts verlangt, was uns nicht gut tun würde. Sein Leben finden in Jesus Christus heißt, dass er mein Leben so wie Gott es mir geschenkt hat und so wie ER es gemeint zur Entfaltung bringt, mit meinen ganz persönlichen Gaben und Fähigkeiten, mit meinen Eigenschaften und Träumen. Wer sich nach einem Leben sehnt, das einen Sinn macht, das erfüllt ist, das im Einklang mit sich selbst ist, der wird es in Gott finden. Augustin, ein großer Theologe der auch oft als Kirchenvater bezeichnet wird hat einmal gesagt: Mein Herz ist unruhig in bis es Ruhe findet in Gott. Damit ist nicht die Ruhe des Todes gemeint, sondern die Ruhe und Gelassenheit, die ein Leben ausstrahlt, dass seinen Sinn und seinen Halt gefunden hat.
Darum ist es gut wenn durch solche klaren Worte Jesu wie im heutigen Predigttext unser Leben in Unruhe versetzt wird, in eine heilsame Unruhe, ist es gut, wenn wir ermutigt werden, unsere Ziele und unser Leben im Lichte der Botschaft Jesu zu überprüfen. Denn das führt uns zu Gott, der Mitte unseres Lebens.
Und das macht letztlich auch Mut, dass wir als Christinnen und Christen erkennbar bleiben und mit dem, was unserem Leben Ziel und Halt nicht hinterm Berg halten.
Glaube und Christsein hat Konsequenzen. Glaube muss sich auch manchmal scharf wie Schwert abgrenzen gegen den allgemeinen Trend und Mainstream. Und der Glaube kann eine heilvolle Unruhe ins Leben bringen, die bewirkt, dass mein bisheriges Leben, meine Ziele und Werte auf dem Prüfstand stehen. Aber dabei ist eines ganz sicher: Wahres, echtes Leben, dass einen Sinn macht und einen unverlierbaren Wert besitzt findet, wer sein Leben an Jesus ausrichtet, wer sich ernsthaft fragt: Was würde Jesus jetzt tun?! Damit diese Frage immer wieder in uns wachgehalten gibt es diese Stellen in der Bibel, die ein „Ganz oder gar nicht“ fordern. Lassen wir uns anstecken von dieser heilvollen Unruhe und Leben finden in Gott. Amen.
Und der
Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne
in Christus Jesus. Amen.