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Gottesdienst am 10.7.05 in Guntershausen um 9.30 Uhr und in Rengershausen um 10.45 Uhr

 

1. Orgelvorspiel

2. Begrüßung und Bekanntmachungen (KV)

3. Lied: EG 156 Komm, Heiliger Geist

4. Lied: EG 447,1.2.6.7 Lobet den Herren

5. Votum, evtl. Thema des Godis

6. EG 719 (bitte anschlagen!) Psalm 36

7. Bittruf, Lobpreis und Tagesgebet

8. Schriftlesung Lk 9,10-17 (KV)

9. Glaubensbekenntnis (KV)

10.Lied: EG 221,1-3 Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen

11.Predigt

12.Lied: EG 632,1-5 Wenn das Brot, das wir teilen (Gitarre)

13.Abkündigungen

14.Fürbitten / Vaterunser

15.Lied: EG 562,1-3 Segne und behüte

16.Segen

17.Orgelnachspiel

 

Predigt zu Joh 6,30-35

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde, der Predigttext steht bei Joh 6,30-35

Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): »Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.« Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Liebe Gemeinde!

Ich musste beim Lesen dieser Geschichte sofort an frisches, köstlich duftendes Brot denken. Fast kann ich den frischen Laib Brot riechen und mir fällt der kleine Bäckerladen in dem Dorf ein, in dem ich als Kind gewohnt habe. Dort duftete es immer so herrlich, besonders morgens, wenn das frische Brot in den Regalen lag.

Gerne denke ich daran, wenn meine Mutter mir Geld gab mit dem Auftrag ein Vierpfünder vom Bäcker zu holen. Meistens war das am späten Nachmittag. Ich hatte den ganzen Tag im Wald mit Freunden gespielt, trank noch schnell ein Glas Sprudel und machte mich auf den Weg zum Bäcker. Das Brot unter dem Arm, kehrte ich wieder nach Hause zurück. Zu hause angekommen, hatte das Vierpfünder meistens an einer Seite ein Loch. Ich konnte der Verlockung, dem Duft, der knusprigen Rinde einfach nicht widerstehen und musste noch auf dem Weg vom Brot kosten. Es schmeckte herrlich. Meine Mutter hatte dafür Verständnis und schnitt mir gleich noch eine dicke Scheibe vom Brot ab. Darauf kam dick Butter und Zucker... Ein echter Genuss, dieses frische Brot nach einem langen Spieltag. Soweit meine Brotgeschichte.

Sie, liebe Gemeinde, kennen bestimmt auch dieses herrliche Gefühl, in ein frisches Stück Brot zu beißen. Heißhungrig sich den Bissen im Mund zergehen zu lassen oder bei einer langen Wanderung auf die Rast, auf die Brotzeit zu warten... Wer von ihnen jemals richtig Hunger in schwerer Zeit leiden musste, kennt dieses Gefühl nur allzu gut. Wir brauchen Brot zum Leben wie die Luft zum Atmen. Es ist das wichtigste Lebensmittel, man kann auch sagen Grundnahrungsmittel. Brot steht für alles, was wir zum Leben brauchen, so jedenfalls hat es Martin Luther in seinen Erklärungen zum Vaterunser ausgedrückt. (Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.)

In unserem Bibelwort vergleicht Jesus sich selbst mit Brot. Er sagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Wie kommt Jesus darauf, sich selbst als das Brot des Lebens zu bezeichnen? Jesus benutzt ein ganz eindeutiges und alltägliches, jedem bekanntes und beliebtes Bild mit dem wir sofort zumindest gefühlsmäßig wissen, wie wichtig, ja lebenswichtig und gut er, der Sohn Gottes für uns ist! Er will sich uns schmackhaft machen. An Jesus glauben, sich an ihm orientieren, durch ihn Kraft zum Leben gewinnen, das ist so wichtig und wohltuend für unser Leben wie das tägliche Brot.

Diesem Wort von Jesus ging die Geschichte voraus, die davon erzählt, wie 5000 Menschen satt werden mit nur fünf Broten und zwei Fischen. Wir haben sie in der Schriftlesung eben gehört. Die Menschen damals erlebten es als ein großes Wunder, was am Ende dieses Tages mit Jesus passiert ist. Sie waren begeistert und wollten Jesus zu ihrem König machen. Sie hatten Lust auf mehr von diesem Jesus, sie hatten Appetit. Sie spürten, dieser Mensch kann unseren Hunger und Durst nach Leben stillen. Aber Jesus hatte sich zurückgezogen. Er ist weggegangen in die Ruhe, ins Gebet, um mit seinem Vater zu reden und zur Besinnung zu kommen. In den Leuten aber war die Sehnsucht geweckt. Sie hatten Hunger nach Jesus und blieben ihm auf der Spur. Sie folgten ihm und Jesus ließ sich auf ein längeres Gespräch mit den Menschen ein. Das Wunderbare, das sie gerade erlebt hatten, die Gemeinschaft und die Sättigung noch im Herzen, fragten sie ihn, was er noch für Wunder und Zeichen tun könnte, damit sie an ihn glauben könnten. Sie erinnerten ihn an das Wunder, das Gott am Volk Israel in der Wüste getan hatte, als er ihnen Manna, Brot vom Himmel gab. Ihre Väter und Mütter wurden durch dieses Wunder gerettet und gestärkt und man erzählte sich diese Geschichte immer wieder als Mutmachgeschichte. An ihr wurde deutlich, dass Gott sich um seine Leute kümmert. Nun wollten sie noch mehr Wunder und Zeichen, an denen sie sich festhalten können. Und was tut Jesus? Er weist die Menschen geduldig darauf hin, dass es ihm nicht um die Wunder geht. Er sagt ihnen, dass Gott ihnen solches Brot vom Himmel geben wird und schon längst gegeben hat, dass Gott schon längst begonnen hat, ihren Hunger und Durst zu stillen, nämlich indem sie ihm zuhören. Und dabei geht es ihm nicht nur um den Hunger, der durch ein Stück Brot zu stillen ist, sondern er spricht von dem Hunger nach Leben, von der Sehnsucht nach Glück, von der Erfahrung der Geborgenheit, von allem was dem Leben einen Sinn geben kann, der über das Sattwerden beim guten Essen weit hinausgeht. Deshalb bitten die Leute Jesus um Brot vom Himmel, das nie zuende geht.

Den Hunger nach Leben und den Durst nach Glück, die Sehnsucht nach dem „mehr“ im Leben spürt Jesus bei den Menschen, wenn er ihnen sagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Er spürt, dass es diese Sehnsucht ist, die die Menschen dazu treibt Jesus auf der Spur zu bleiben, ihm zu folgen, die Nähe Jesu zu suchen. Die Menschen bekommen eine Ahnung davon, wie viel Jesus ihnen wirklich geben kann zu einem zufriedenen Leben, das einen Sinn ergibt.

Für uns, liebe Gemeinde, stellt sich nun die Frage, was wir wirklich zum Leben brauchen. Natürlich erst mal das tägliche Brot! Aber eben noch viel mehr. Die Sehnsucht nach mehr, nach Glück, nach Zufriedenheit, nach einem gelungenem Leben lebt auch in uns heute weiter fort. Und diese Sehnsucht, dieser Hunger ist wichtig. Vertröstungen wie: „Das Leben ist eben so. Man muss es halt nehmen wie es ist. Alles ist Zufall.“ lassen uns stumm und resigniert zurück. Die Sehnsucht und den Hunger nach Leben zu spüren bringt uns auf den Weg, sie setzt uns auf die Spur Jesu. Wer Durst nach echtem Leben hat, begibt sich auf die Suche nach dem, der die Erfüllung dieser Sehnsucht verspricht und sie auch hält.

Jesus macht uns ein großartiges Angebot. Bei ihm und mit ihm und durch ihn können wir die Erfüllung unserer Sehnsucht finden. Er ist das Brot des Lebens, das Lebensmittel schlechthin. Er will zu unserem Alltag so dazugehören wie das tägliche Brot. An ihm können wir unser Leben ausrichten. Diese Orientierung an Jesu Leben hält uns ein Leben in Liebe und Verständnis vor Augen, ein Leben in der Zuwendung zu anderen, zu Menschen die am Rand sind, ein Leben ohne Vorurteile und Hass. Jesus bietet uns ein Leben, das uns gelassen werden lässt und im Vertrauen auf ihn eine Hoffnung gibt, die uns stärkt und kräftigt. Ein Leben, das sich bei Gott gut aufgehoben und durch ihn getragen und angenommen weiß.

Solches Leben verheißt Jesus, wenn er sich uns selber schenkt, als Brot des Lebens. Das kann an verschiedenen Punkten ganz deutlich und auch in unserem Alltag und Leben greifbar werden: Im Gebet, das sich Gott ganz anvertraut und in dem wir Kraft von Gott bekommen für unser Leben in seinen ganzen Höhen und Tiefen. Oder in der Zuwendung, die wir von anderen bekommen und auch an andere austeilen. Oder in der Heilung und der Vergebung, die wir erfahren in unseren Beziehungen, wenn wir uns von der Liebe Gottes leiten lassen.

Glaube, Vertrauen und Liebe sind das tägliche Brot, das unsere Seele satt macht. Jesus lässt uns nicht im Hunger und in der Sehnsucht allein. Die Menschen damals brauchten Jesus als Balsam für ihre Seele, weil sie sonst ihren Durst nach Leben und ihren Hunger nach Liebe nicht stillen konnten. Jesus lässt auch uns nicht verhungern, auch und gerade dann nicht, wenn nicht alles nach Plan verläuft.

Auch wenn wir wieder mal sprachlos und mit klammen Herzen vor dem stehen, was Menschen anderen Menschen antun können, wie in dieser Woche in London, können wir Jesus und Gott an unserer Seite wissen. Er leidet mit den Opfern und weint mit den Trauernden und er gibt uns allen die Kraft gegen Terror, Angst, Hass und Gewalt aufzustehen und an den Werten zu arbeiten, die dem Leben dienen.

Ich möchte sie ermutigen mal an Jesu Worte zu denken, wenn sie das nächste mal ein Stück Brot essen und sie spüren, wie gut es schmeckt, besonders wenn es frisch ist. Denken sie das nächste Mal, wenn ihr Hunger durch so ein wohltuendes Brot gestillt wird, an das Versprechen und das Angebot Jesu: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Und übrigens, wer anfängt, dieses Brot, das wir von Jesus bekommen, seine Zuwendung und Liebe, auszuteilen an andere, damit andere hungrige Menschen auch satt werden, daß auch ihr Hunger nach Leben gestillt wird, der wird merken, daß dieses Brot nicht weniger, sondern mehr wird.

Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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© by Pfr. Henning Porrmann, Zum Felsengarten 13, 34225 Baunatal

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