Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Liebe Silberne Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde!
Sie haben sich einladen lassen, um heute an den Tag zurückzudenken, an dem sie vor 25 Jahren konfirmiert worden sind. 32 Silberne Konfirmandinnen und Konfirmanden sind sie und damit mehr als die Hälfte der Konfirmanden von damals. Sie haben sich Zeit genommen, in alten Zeiten zu schwelgen, zurückzublicken, um vielleicht die Träume von damals mit der Wirklichkeit von heute zu vergleichen und um sich eventuell noch einmal des Weges zu vergewissern, den Sie genommen haben. Der eine oder die andere wird möglicherweise auch beim Zurückblicken vertane Chancen entdecken, andere wieder werden heute einfach mit großer Dankbarkeit auf ihr Leben schauen können. Dass an so einem Wochenende auch die Kirche, der Glaube und Gott, zu dem sie damals JA gesagt haben, eine große Rolle spielen, finde ich schön, zumal es ja nicht mehr selbstverständlich ist in der heutigen Zeit, oder doch?!
Kommt vielleicht gerade so in Ihrem / in unserem Alter wieder das Bedürfnis hoch, sich selbst, sein Leben und dessen Sinn vor einem weiteren Horizont zu betrachten?! Sich selbst in größere Bezüge einzuordnen? Entdeckt man vielleicht gerade jetzt wieder neu, dass es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die man A nicht verstehen kann und B nicht in der Hand hat?
Ich könnte es mir vorstellen. Denn das Leben ist vermutlich jetzt gerade in ein ruhigeres Fahrwasser gelangt: Die Kinder (wenn welche da sind) sind meistens so weit schon ganz schön groß und werden immer selbständiger, beruflich sitzen die meisten von ihnen wahrscheinlich fest im Sattel (wünsche ich ihnen jedenfalls), ob man Familie hat oder nicht ist meistens geklärt, vielleicht hat man auch schon die erste Scheidung hinter sich, man weiß wo man hin will und wie das Ziel erreicht werden kann... so langsam gerät das Leben in ein Fahrwasser, wo man wieder Zeit hat, über das eigene Leben und dessen Ziele nachzudenken - die ganz "schnellen Zeiten" sind jedenfalls vorbei. (Nicht, dass sie mich falsch verstehen: damit packe ich Sie nicht zum Alten Eisen, sondern zu den langsam erfahrenen Menschen.) Dazu kommt, dass der eine oder die andere auch schon schwere Wegstrecken hinter sich bringen musste: Arbeitslosigkeit, Familienkrach, Krisen in der Beziehung, Abschied von lieben Menschen, Enttäuschungen über Freunde, die sich doch nicht als Freunde erwiesen haben, Verletzungen und, und, und ...
Das alles zusammengenommen, läßt bei vielen eine Sehnsucht wach werden, dem Leben einen Sinn zu geben oder ihm einen abzugewinnen. Und da sind wir, behaupte ich jedenfalls, ganz nah dran an der Frage nach Gott. Jeder Mensch hat nämlich das Bedürfnis sich in etwas, das ihn selbst übersteigt zu verankern, einen Grund zu finden, der auch dann noch hält, wenn einem der Boden an der Oberfläche des Lebens mal weggerissen wird, einen Halt zu haben, der das normale Denken übersteigt.
Diese Frage nach so einem Halt bzw. nach Gott rückt zwar bei vielen mit oder nach der Konfirmation oft immer mehr in den Hintergrund, weil so vieles andere sich in den Vordergrund schiebt und bewältigt sein will, aber diese Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens lässt sich niemals ganz oder für immer ausblenden, weil wir als Menschen grundsätzlich diese Frage und "Sehnsucht nach mehr" in uns tragen und weil Gott uns allen mit der Taufe versprochen hat, immer bei uns zu sein, alle Tage, bis an das Ende der Welt. Und damit bin ich, sind wir bei ihrem Segenswort, dass heute über ihrer Silbernen Konfirmation stehen soll, wir haben es vorhin im Psalmgebet schon einmal gehört: Aus Ps 139,5. Dort betet der Psalmist: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Ps 139,5
Ich finde, dass diese Erfahrung, immer von Gott umgeben zu sein, eine schöne und beruhigende Erfahrung ist. Wie die Luft zum Atmen umgibt uns Gott mit seiner Lebenskraft, mit seinem Schutz. Wir können nicht aus ihm herausfallen bzw. der Weg zu ihm zurück, ist nie zu weit und Gott ist immer bereit seine Freundschaft zu uns zu erneuern, auch wenn es von unserer Seite aus mal eine längere Funkstille gegeben hat.
Jetzt könnten einige von Ihnen, liebe Gemeinde, sagen, dass das ja auch eine bedrohliche Seite hat, immer von Gott umgeben zu sein, beobachtet zu sein und nie allein. Ich würde denen, die das so empfinden, zustimmen, wenn Gott jemand wäre, der einem dauernd böses und bestrafen will. So ist er aber nicht. Manche verwechseln Gott mit ihrem schlechten Gewissen, denn auch das wird man meistens nicht so einfach los. Und dann denkt man, Gott würde einen bestrafen für die eine oder andere Unachtsamkeit, Lieblosigkeit oder gar bewusste Verletzung eines anderen. Jedenfalls dann wenn man das schlechte Gewissen mit Gott verwechselt.
Gott ist aber ein anderer Begleiter, als das schlechte Gewissen, er sieht unsere Unzulänglichkeiten auch, unsere Schwächen und Fehler und er heißt oft die Dinge, die wir uns und anderen antun nicht für gut, aber statt zu strafen, eröffnet er die Möglichkeit zur Umkehr und zum Heilwerden. Seine Gegenwart gibt Kraft zur Vergebung, wo wir an einer Verletzung zu tragen haben, ermöglicht Versöhnung, wo ein Streit zwischen Menschen steht, schenkt neue Hoffnung, wo einem das Leben sinnlos vorkommt und ermutigt uns dazu, ihm unsere Schwachstellen anzuvertrauen und so mit uns selbst ins Reine zu kommen. Gott ist nicht das schlechte Gewissen, aber das schlechte Gewissen kann uns manchmal zu Gott führen.
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Ein anderer Einwand könnte sein: "Ich habe schon so viel Mist erlebt und Gemeinheiten oder Schicksalsschläge ertragen müssen. Wo hat er denn da seine Hand über mich gehalten?! Ich habe nichts von Gott gespürt." Auch hier liegt eine kleine Verwechselung vor: Gott ist keinesfalls der Automat von dem ich vorher weiß, wie er mein Leben bewahren wird. Manche erwarten von Gott ganz konkrete Dinge, Lösungen oder Veränderungen und wenn das dann nicht so eintritt, wie ich mir das vorgestellt habe, dann wird oftmals der Schluss gezogen, Gott würde ja doch nicht helfen. Aber Christsein heißt nicht keine Probleme mehr zu haben oder keine Schicksalsschläge mehr erleben zu müssen. Christsein heißt vielmehr, zu wissen, dass wir nicht aus der Liebe Gott herausfallen können, komme was da wolle, und daraus Gelassenheit zu schöpfen. Christsein heißt, in Gott einen Halt gefunden zu haben, der hält, im Leben und im Sterben und weit darüber hinaus. Davon erzählt folgende, ihnen vielleicht schon bekannte Geschichte:
Fußspuren im Sand
Ich träumte eines Nachts,Ich wünsche Ihnen, liebe Silberne Konfirmanden und liebe Gemeinde, dass Sie Gott immer wieder als diesen fürsorglichen Gott erleben, der seine Hand über unser Leben hält, auch wenn wir ihn manchmal nicht wahrnehmen oder gar vergessen. Ich wünsche Ihnen, dass sie ihr Leben im Licht dieser Hoffnung und in der Kraft dieser Zusage Gottes gelassen leben können, weil sie in Gott einen Halt haben, der sie trägt und hält, im Leben und im Sterben und darüber hinaus und dann auch vertrauensvoll einstimmen können in das, was der Psalmbeter als heilsam und wohltuend empfindet: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.